Wollseifen - einst ein blühendes Eifeldorf mit malerischen Fachwerkhäusern und Blick auf die Urfttalsperre. Ein Ort dessen Ursprung bis ins 12. Jahrhundert zurückgeht, fiel nach dem Ende des 2. Weltkriegs auf Befehl der britischen Besatzungsmacht einem Übungsplatz für militärische Zwecke zum Opfer.


Die Geschichte von Wollseifen wurde 1981 von Josef Lorbach unter dem Titel "Die Trümmer schweigen nicht" publiziert. Als 37-jähriger erlebte er das bittere Ende seines Heimatdorfes mit.

Die Wollseifen-Ausstellung in der restaurierten Dorfschule zeigt eine eindrucksvolle Dokumentation der Vergangenheit des ehemaligen Eifelorts.


Die Bewohner von Wollseifen wurden im August des Jahres 1946 auf Befehl der damaligen britischen Militärregierung aufgefordert ihr Dorf binnen drei Wochen, bis zum 1. September 1946 zu räumen. Unterkünfte für den weiteren Verbleib der Wollseifener Bevölkerung wurde von den britischen Militärs allerdings nicht angeboten.

So wurden die Einwohner, welche die  Ruinen ihrer Häuser nach dem 2. Weltkrieg wieder hergerichtet hatten, aus ihrem Dorf vertrieben - und nicht evakuiert, wie es fälschlicherweise in einigen Presseartikeln zu lesen ist.

Wollseifen wurde von der britischen Militärverwaltung kurzerhand beschlagnahmt und zwangsgeräumt.

So wurden damals kurz nach Kriegsende die noch Überlebenden des Dorfes, etwa 120 Familien (über 500 Einwohner) obdachlos. Ihr Heimatdorf, das über viele hundert Jahre gewachsen war wurde vom britischen Militär zerstört, die Häuser in Brand geschossen und  letztendlich dem Erdboden gleichgemacht. Nur vereinzelte Gebäude wurden als Manöverunterkünfte notdürftig  erhalten.

Im Juni 1955 stand dann endgültig fest, dass der Truppenübungsplatz als Dauereinrichtung zu sehen ist und eine Rückkehr der Wollseifener in ihre Heimat nie mehr möglich sein wird.

Die Bundesvermögensverwaltung “übernahm” im Jahr 1963 das Grundvermögen der vertriebenen Wollseifener per Enteignungsbeschluß bzw. durch ein sogenanntes "Enteignungsverfahren". Reparationszahlungen an die Wollseifener für die entstandenen Schäden wurden 1975 vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages zurückgewiesen.

Heute liegt die sogenannte "Wüstung Wollseifen" auf der Dreiborner Hochfläche mitten im Nationalpark Eifel und ist für Wanderer wieder zugänglich. Zu sehen sind noch einige historische Gebäude: die Kirche St. Rochus - heute ein Ort der Stille, Teile der restaurierten ehemaligen Dorfschule in der die Wollseifen-Austellung ihren Platz gefunden hat, Reste des Transformatorenhäuschens, der restaurierte Bilderstock am Ortseingang, sowie ein Teilgebäude der ehemaligen Schmiede.


Seit August 2011 steht vor der Kirchenruine St Rochus ein Modell des Dorfes. Der Architekt Elmar Heimbach schuf diese Ansicht von Wollseifen nach einer Luftaufnahme aus dem Jahr 1943.

 

Ein ähnliches Bild präsentierte sich wohl den amerikanischen Jagdbomberpiloten der 9. Bombardment-Division aus Richtung Heimbach kommend beim Anflug auf Wollseifen am Freitag, den 15. Dezember 1944.

Einen Tag vor dem Beginn der Ardennenoffensive legten sie gegen 12 Uhr mittags einen grauenvollen Bombenteppich über den Ort.

Zurück blieben damals Trümmer über Trümmer, 35 tote Wollseifener und viele tote Soldaten...