St. Rochus in Wollseifen


Die Geschichte der Kirche St. Rochus in Wollseifen.


Im Archiv der Pfarrgemeinde Wollseifen-Herhahn-Morsbach befinden sich noch beglaubigte Abschriften von älteren Urkunden und die von dem Wollseifener Pfarrer Hermann Löchte (geb. am 7. August 1850 in Steele) verfasste Pfarrchronik von Wollseifen, wo er vom 9. August 1893 bis zum 10. Juli 1903 wirkte.
Nach diesen Unterlagen ist eine Urkunde des Grafen Ernst von der Mark, worin er am Tage vor der Konsekration der Wollseifener Pfarrkirche, am 21. Oktober 1635, bestimmte, dass der Kirche in Wollseifen aus der gräflichen Kasse jährlich 10 Reichstaler zu geben seien, am 8. Mai 1843 an den gräflichen Nachfolger, den Prinzen von Aremberg in Brüssel, gegeben worden und von dort nicht mehr zurückgekommen.
Seit der Säkularisation ist das Geld nicht mehr an die Kirche in Wollseifen bezahlt worden. Pfarrer Löchte vertrat aber schon zu seiner Zeit den Standpunkt, dass nach der Säkularisation der preußische Staat und nicht der Prinz in Brüssel rechtlicher Nachfolger des Grafen Ernst sei, der Prinz also nicht mehr an die Kirche zu zahlen brauche.
1773 starb Ludwig Engelbert, als letzter Spross der Grafen von der Mark und Schleiden. Seine einzige Tochter Margareta brachte Schleiden an ihren Gemahl Karl von Aremberg, der meistens in Brüssel wohnte und 1878 starb. Ihm folgte sein ältester Sohn Ludwig Engelbert, der durch den Frieden von Luneville am 9. Februar 1801 seine linksrheinischen Besitzungen verlor und durch das münstersche Amt Meppen und die kölnische Veste Recklinghausen entschädigt wurde. 1810 verlor er durch Napoleon die Herrschaft in seinen Ländern und der Wiener Kongress vom 1. November 1814 bis 9. Juni 1815 gab ihm die Länder nicht zurück.
Die arembergischen Besitzungen auf dem linken Rheinufer erstreckten sich über eine Fläche von 1125 qkm mit 14.334 Einwohnern. Im Jahre 1379 kam Wollseifen durch Vergleich zwischen Johann von Schönforst, dem Burggrafen von Monschau und seiner Schwester an deren Gatten Peter von Kronenburg. Dieser Vergleich wurde von Herzog Wenzel von Luxemburg bestätigt. Der nach Wollseifen eingepfarrte Walberhof wurde 1145 von Kaiser Konrad dem Kloster Steinfeld zum Geschenk gemacht.
Zu dieser Zeit soll auf dem Walberhof bereits eine Kapelle gestanden haben, deren Existenz jedoch angezweifelt wird. Dass aber der Walberhof einmal eine kirchliche Bedeutung gehabt haben kann, dafür zeugen heute noch die gebräulichen Flurnamen „Paafenbaum“ sowie „Paafenweiher“ für einen kleinen Weiher, alles in unmittelbarer Nähe des Walberhofs. Dass sich auf dem Walberhof Mönche aufgehalten haben, dafür spricht auch die Bezeichnung „Paterskämertche“  für ein kleines Zimmer im Haus Nr. 110. In diesem Zimmerchen hat sich nach der Überlieferung während einer Verfolgungszeit ein Pater von Walberhof längere Zeit verborgen gehalten.
In Wollseifen soll bereits eine Kapelle im 9. Jahrhundert gestanden haben, an deren Stelle in den Jahren 1633 bis 1635 die jetzige Wollseifener Pfarrkirche erbaut wurde, jedoch sind die exakten Nachweise für das frühe Vorhandensein doch recht dürftig.
Kirchlich gehörte Wollseifen im 13. und 14. Jahrhundert nach Steinfeld. Im 15. Jahrhundert wurde es der Pfarrei Olef einverleibt.
1660 wurde Wollseifen zur selbstständigen Pfarrei erhoben, der Einruhr und die westlich der Straße gelegene Hälfte von Morsbach zugehörten. Unter Napoleon I. wurde die kirchliche Organisation aufgelöst. Wollseifen wurde durch Breve vom 25. August 1808 dem Kölner Administrator Fonk vom Lütticher Kapitularvikar überwiesen.
Der 1633 begonnene Bau der Kirche in Wollseifen wurde 1635 abgeschlossen. Der Turmhelm allerdings ist erst 1665 im Schleidener Auel gezimmert und in Wollseifen aufgerichtet worden.
In den Jahrhunderten nach der  Kircheinweihung  am 22. Oktober 1635 wurde noch manches an der Kirche verändert und ergänzt. Eine Orgelbühne erhielt die Kirche 1843. Inder Zeit von 1844 bis 1845 wurde die Kirche mit neuen Bänken ausgestattet.
Vor dem Turm wurde 1848 ein mit drei Türen versehenes Vorhaus errichtet. Für Mauerlohn erhielt Peter Josef Siever aus Dreiborn 36,75 Mark. Die Treppe zur Orgelbühne fertigte Peter Wilhelm Bongart aus Morsbach für 36 Mark. Derselbe legte auch Balken und Dielen auf die hintere Orgelbühne. Für neuneinhalb Arbeitstage erhielt er 9,50 Mark. 1888 wurde unter Pfarrer Esser an der Südseite der Kirche eine neue Sakristei gebaut. Die Kosten beliefen sich auf 1171,07 Mark. 1893 fertigte Peter Mey aus Morsbach für 30 Mark einen Schrank für die Sakristei.
Früher hatte eine Sakristei an der Nordseite der Kirche gestanden. Jakob Hauß mit seinen zwei Söhnen hatte sie 1716 gemauert. Der Lohn betrug für jeden Tag 10 Albus und die Kost, die für jeden mir 12 Albus gerechnet wurde. Acht Tage hatten die Männer an der Sakristei gearbeitet. Einschließlich der Gewerke kostete die frühere Sakristei 192 Gulden, 16 Albus und 11 Heller (ca. 145 Mark). Ein Handwerkertagelohn entspricht etwa dem Wert von 36 – 40 Pfennige und die dazu abgegebene Kost 30 – 36 Pfennige. Um das Jahr 1886 war der Handwerkerlohn bereits vier- bis fünfmal so hoch.

Im Jahre 1906 eerhielt die Kirche St. Rochus durch die Gebr. Kurthen eine Ausmalung.

 

Nach der Räumung von Wollseifen.

Im Jahr 1946 wurde die letzte heilige Messe in der Wollseifener Kirche gefeiert.

Das Dorf musste innerhalb von wenigen Wochen geräumt werden, da auf dem Gelände der Truppenübungsplatz Vogelsang entstand. (Siehe Artikel "Die Trümmer schweigen nicht")

 

Infolge militärische Übungen wurde die Kirche von den britischen Militärs bis auf die Außenmauern zerstört. Wenig später 1947 brannte die Kirche dann komplett aus und mit ihr die gesamte Innenausstattung.

Die Restaurierung durch den Förderverein.

Nachdem der Truppenübungsplatz Vogelsang im Dezember 2005 aufgegeben wurde, war auch Wollseifen für die Öffentlichkeit wieder zugänglich. Durch die Arbeit des Förderverein Wollseifen wurde die Kirchenruine bis August 2008 grundlegend gesichert. Kirchenschiff und Chor bekamen einen neuen Dachstuhl mit Schiefereindeckung, sowie neue Fenster.

Das Kirchturmdach, welches nach dem Krieg von den Belgiern errichtet wurde, erhielt ebenfalls eine neue Schiefereindeckung. Zudem wurde der alte Wetterhahn der Kirche wieder auf das Kreuz gesetzt und befindet sich nun, nach einem "Zwischenaufenthalt" auf der Herhahner Kirche wieder seinem alten Platz. Im Innenraum der Kirche wurde der Schutt entfernt, der vom eingestürzten Gewölbe stammte und so der, soweit noch vorhandene, ursprüngliche Fußboden freigelegt. Zum Abschluss der Renovierungsarbeiten wurden ein schlichtes Holzkreuz sowie drei einfache Holzbänke im Chorraum aufgestellt.

 

Die Glocken von St. Rochus.
1635 wurde für die Kirche eine neue Glocke gegossen. Sie trug die Inschrift: St. Maria ora pro nobis 1635.

Diese Glocke zersprang 1847 und wurde 1848 durch eine neue ersetzt. Sie wurde unter Pastor Johann Peter Hilger von dem Aachener Glockengießer Gaulard gegossen.
Auch diese Glocke zersprang beim für 14 Tage angeordnetem Trauergeläut für die Kaiserin Augusta, Gemahlin Wilhelms I., die am 7. Januar 1890 starb. Die zersprungene Glocke wurde durch die Marienglocke ersetzt, die 1894 aus der Glockengießerei Apolda (Thüringen) kam. Die Glocke trug auf der einen Seite das Bild der allerseligste Jungfrau Maria mit der Lilie und die Umschrift: In honorem Beatae Mariae Virginis. Für die andere Seite war die Inschrift: Anno MDCCCXCIV Leone Cardinale Krementz, Archipiscopo Coloniensie, Hermann Löchte Pastore in Wollseifen hanc campanam fecit Carolus Fredericus Ulrich Apolda Thuringia.
Die Inschrift auf der Glocke war jedoch geringfügig abgeändert. Der Preis der Glocke belief sich auf 829,80 Mark. Dazu kamen noch 20 Mark für den Klöppel, 4 Mark für Riemen und Schrauben und 5 Mark für die Benutzung von Seilen und Flaschenzügen. 2,10 Mark Wegegeld und 28,80 Mark für Metallpfannen sowie 10,50 Mark für Zapfen. Für den Transport von Gemünd bis Wollseifen erhielt der Fuhrmann 3 Mark. An Löhnen für Schmiede- und Zimmerarbeiten wurden noch 17,25 Mark ausgegeben.
Die Rochusglocke, die zweitgrößte im Geläut, wurde 1878 aufgehängt. Sie trug die Inschrift: Santus Rochus omnibus incolis defensor atque patronus. Anno electionis Summi Pontificis Coloniensi Dr. Paulo Melchers, Pastore ac Quirin Hilgers hanc campanam fecit Tiuti (Deutz) Andreas Rodenkirchen.
Die kleine Michaelsglocke aus dem Jahre 1652 trug die Inschrift: Sanct Michael heischen ich, Wollseifen gehor ich, Jakob von Trier goß mich 1652.
Diese Michaelsglocke und die Marienglocke wurden Ende des 18. Jahrhunderts nicht an die Französische Republik ausgeliefert, sondern in einem Schafstall verborgen. Während des Krieges 1914/18 wurden die beiden großen Glocken von Deutschen beschlagnahmt.


Zu Wollseifen waren folgende Pfarrer im Amt:


Johann Berg, 1660-1665, investiert vom Abte zu Steinfeld
Rüttger Kannengießer, 1665-1669, aus dem Zisterzienserkloster Mariawald
Paschasius Gauders, 1669-1675, ebenfalls aus Mariawald
Franz Matthias Biten, 1675-1694
Abel Dahmen, 1694-1727, vorher Vikar in Dreiborn
Hilgerus Mauß, 1728-1752, aus Kronenburg
Johann Wilhelm Gießen, 1752-1786, aus Schleiden
Bartholomäus Hoenen, 1787-1798, aus Wirtzfeld
Laurentius Leurs, 1798-1799, Pater aus dem Kloster Hillesheim
Engelbert Rodenkirchen, 1799-1800, ebenfalls aus Hillesheim
Nikolaus Schulzen, 1800-1803, aus Honsfeld bei Büllingen
Matthias Etteldorf, 1803-1809, aus Kahl Luxemburg
Matthias Müller, 1809-1841, aus Kruchten bei Vianden
Johann Peter Hilger, 1841-1853, aus Deidenburg bei Amel
Qurin Hilger, 1853-1884, aus Heywertz
Josef Esser, 1886-1893, aus Wegberg
Hermann Löchte, 1893-1903, aus Steele
Vitus Schuster, 1903-1925, aus Elberfeld
Heinrich Schafgans, 1925-1934, aus Holzminden
Wilhelm Heßler, 1934 bis zur Vertreibung durch die britische Militärregierung.


Am 25. März 1905 feiert ein Sohn des Dorfes, Quirin Stollenwerk, in der Pfarrkirche St Rochus seine Primiz.